Die folgenden ausführlichen Reiseberichte zu den einzelnen Tagen sind Beiträge verschiedener Chormitglieder.


Samstag, 11. Juni 2011 
Alle trafen sich um halb 5 nachmittags am Flughafen in Stuttgart. Wir sind als Familie mit wenigen anderen in der U-Bahn dorthin gefahren. Am Flughafen angekommen wurden noch die restlichen T-Shirts verteilt und man verabschiedete sich von den verbliebenen Freunden und Verwandten. Nach und nach checkten alle an Schaltern und Automaten ein. Nachdem alle durch den Security- Check geschleust waren, vertrieben sich die Chormitglieder die Zeit bis zum Abflug. Um 18:35 Uhr begann das Boarding. Nach ein paar Minuten saßen alle im Flugzeug. Circa 25 Minuten später landeten wir in Frankfurt. Dort hatten wir 3 Stunden Aufenthalt. Auf dem Weg zum Gate trafen wir Jedward (irische Teilnehmer des Eurovision Songcontest 2011). Dann suchten wir nach einer Möglichkeit, etwas zu essen. Gegen 23:00 Uhr begann das Boarding für Südafrika. Danach verbrachten wir 10 Stunden im Flugzeug nach Johannesburg. Während des Fluges sah ich "Rapunzel neu verföhnt". Später gab es Abendessen und wir versuchten zu schlafen. Ich habe höchstens eine Stunde geschlafen, denn ich vermisste meinen Freund, den ich Gerlingen zurücklassen musste. Nach dieser unbequemen Nacht gab es Frühstück. Es schmeckte genauso wenig wie das Abendessen.
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Sonntag, 12. Juni 2011 
Um 9 Uhr morgens kamen wir in Johannesburg an. Dort trafen wir auf unsere Reiseleiterin Maralie Theron und wechselten einige Euro in südafrikanische Rand. Dann warteten wir auf unseren Reisebus. Als wir alles eingeladen hatten, fuhren wir Richtung Nelspruit, wo wir unsere erste südafrikanische Nacht verbringen sollten. Auf dem Weg dorthin hielten wir an einer Raststätte in Middelburg. Dort aß ich einen Ripburger, an dem ich mir den Magen verdarb. Neben der Raststätte gab es auch ein paar Zebras, Büffel und Emus. Von dort aus ging es weiter. Vorbei an einer Halle mit getrockneten Früchten und Souvenirs. Kurz darauf kamen wir am Hotel an. Dort bekamen wir Zeit, uns zu duschen und uns auszuruhen. Daraufhin gingen wir zum gemeinsamen Abendessen in ein Lokal gegenüber. Es gab Fish'n'Chips, Rips'n'Chips und Chickensnizzle mit Chips. Bei jedem Gericht konnte man anstatt Chips auch Reis bestellen. Jeder durfte sich ein Softgetränk aussuchen. Alles war im Reisepreis. Zum Dank sangen wir für die Restaurantbetreiber "Gabi, Gabi". Nach einem kleinen Plausch vor der Hoteltür gingen wir ins Bett.
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Montag, 13. Juni 2011 
Montagmorgen - endlich war es soweit. Unsere große Safaritour durch den Kruger Nationalpark stand bevor. Gestärkt durch ein gutes Frühstück brachen wir auf. Dank Johanns rasantem Fahrstil erreichten wir unser Ziel schon gegen Vormittag und das Abenteuer begann. Unendliche Weiten, trockene Savanne, schimmerndes Steppengras, bushy land - und da war es, das erste Tier! Ein lautes "Stopp!" hallte durch den Bus und Johann gab seine Bremskünste zum Besten. Die gesamte Truppe stürzte sich an die Fenster und knipste nur so darauf los. Leider verhinderten die milchigen Busscheiben und der darauf stehende Hinweis "Nood Uitgang" häufig das Entstehen von meisterhaften Fotos. Doch wir hatten Glück - bereits am ersten Tag zeigten sich uns viele Tiere, unter anderem Elefanten, "Giraffs", Büffel, Impalas und viele andere. Nach dieser gelungen Tour bezogen wir in Dreiergrüppchen unsere Bleibe für die kommenden zwei Tage. Es waren gemütliche Hütten mit Strohdach, in welchen es sich gut leben ließ. Dank Maralies Organisationstalent stand uns bei der ersten Probe in Südafrika sogar ein Keyboard zur Verfügung. Als das Singen beendet war, traten wir hinaus in die Dunkelheit - keiner von uns hatte mit solch einem schnellen Einbruch der Nacht gerechnet und wir hatten Mühe, unsere Hütten wiederzufinden. Ein weiteres Highlight war das vom Personal liebevoll zubereitete Buffet am Lagerfeuer. Zum Duft des leckeren traditionellen Essens mischte sich ein dezenter Autan-Geruch, der dem jedoch kein Abbruch tat ;-). Das Ende eines außergewöhnlichen Tages war die Nachtsafari, bei der wir viele Tiere fast hautnah erleben durften. Durchgefroren, aber glücklich kuschelten wir uns abends in unsere Betten - voller Vorfreude auf den nächsten Tag.
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Dienstag, 14. Juni 2011 
Der Tag begann mit einem leckeren, deftigen Frühstück, das nur leider nicht für uns bestimmt war. Würstchen, Rührei & Co wurden uns dummerweise vorenthalten, denn wir hatten lediglich das "Continental" Frühstück gebucht.
Der zweite Teil der Safaritour stand an. Wir hatten das Glück, den vierten der Big 5, einen Geparden, am Straßenrand zu sehen. Jetzt fehlte nur noch der König der Tiere, der sich jedoch leider vor uns versteckt hielt. Während der Pause in einem tollen Restaurant ließ Lenas Essen unglücklicherweise lange auf sich warten und die gesamte Gruppe wurde aufgehalten. Doch das Warten fiel an einem solch schönen Ort nicht schwer. Hier wurde zum ersten Mal der teilweise etwas knapp bemessene Zeitplan deutlich. Auf unserer weiteren Fahrt begegneten wir noch vielen weiteren Tieren, wie Zebras, Warzenschweinen und Affen, die sich sogar mit uns fotografieren ließen.
Als wir wieder alle zusammen im Bus saßen - glücklich über die Vielfalt an Tieren, die wir heute wieder gesehen hatten - kündigte unser Conductor Axel Jüdt eine am Abend bevorstehende Überraschung an. Man konnte gespannt sein ;-).
Wie am Abend zuvor gab es am Lagerfeuerplatz ein Abendessen, das wieder aus Boerewors und Pap bestand. Zu diesem Zeitpunkt freuten wir uns allerdings noch über jedes typisch südafrikanische Essen, doch schon bald sollten wir genug davon haben… Dem Essen sollte nun diese Überraschung folgen. Gespannt warteten wir auf die angekündigte Mondfinsternis - alle Blicke waren gen Sternenhimmel gewandt - doch der Mond wollte einfach nicht verschwinden! Später stellte sich heraus, dass man sich leider im Datum vertan hatte, denn die Finsternis sollte erst einen Tag später stattfinden. Als kleine Aufmerksamkeit wurden uns von Maralie kurze Amarulas und Amarulaschokolade ausgegeben. Abschließend ließen wir den Abend mit Singen am Lagerfeuer, der ein oder anderen Flasche Wein und netten Gesprächen gemütlich ausklingen.
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Mittwoch, 15. Juni 2011 
Für einige von uns startete dieser Tag schon sehr früh. Wir wollten unbedingt die Sonne am afrikanischen Himmel aufgesehen sehen - dieses Ereignis durften wir uns nicht entgehen lassen! Zwar ließ der Sonnenaufgang lange auf sich warten, doch die, die tapfer in der frischen Morgenluft warteten, wurden mit einem faszinierenden Anblick belohnt. Das heutige Frühstück sollte nun ganz dem deutschen Geschmack entsprechen. Das Personal hatte extra für uns die Auswahl geändert und wir durften uns heute mit Würstchen und Rührei den stärken, doch nun fehlten die Muffins! Man konnte es uns einfach nicht recht machen ;-)! Gegen neun Uhr traten wir die 500 km lange Busreise von Skukuza nach Pretoria an. In der Hauptstadt sollten wir dann abends unser erstes Konzert haben. Die Fahrt zog sich sehr lange hin und nach einiger Zeit waren sämtliche Witze erzählt, Rätsel gelöst und Geschichten erzählt. Wir wollten endlich Pretoria sehen und waren heiß auf unser erstes Konzert! Letzten Endes hatten wir knapp eine Stunde, um zu Essen und uns umzuziehen und vor allem bei den Frauen war Hektik angesagt. Jedoch hatten wir den Stress sobald wir auf der Bühne standen hinter uns gelassen und wir sangen aus Leibes Kräften. Besonders der lautstarke Applaus des Jugendchores aus Pretoria brachte die Stimmung vor allem bei den Soli zum Kochen. Das Konzert war auf jeden Fall ein Erfolg! Das absolute Highlight dieses Abend war ohne Frage das gemeinsame Singen mit den Singkronies. Zusammen rockten wir den Elijah! Nach dem Ende des Konzertes empfingen uns unsere Gastfamilien und wir verbrachten alle einen schönen Abend. Die Familien waren alle sehr unterschiedlich, jedoch gehörten die meisten wohlhabenderen Kreisen an und teure Autos, Swimmingpools und Hausmädchen gehörten zu dem normalen Lebensstandard. Auch schwule Gastgeber waren keine Seltenheit. Dank der Herzlichkeit, die uns die Familien entgegenbrachten, endete ein weiterer Tag zur vollsten Zufriedenheit.
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Donnerstag, 16. Juni 2011 
Villen, Pools, Sicherheitstechnik: Das waren die Themen, um die die Gespräche kreisten, als sich der Chor nach der ersten Nacht bei den Gastfamilien am kühlen Donnerstagmorgen auf dem Campus der Universität Pretoria traf. Jeder hatte etwas zu berichten von den größtenteils sehr guten Erfahrungen und Gesprächen mit seiner Gastfamilie. Die meisten von uns waren bei augenscheinlich sehr wohlhabenden weißen Familien untergebracht, die in abgeschirmten Wohnvierteln lebten und wo der Swimmingpool zur Standardausstattung gehörte.
Die Rundfahrt durch die Hauptstadt Südafrikas, Pretoria, führte uns zu den Union Buildings, den imposanten Regierungsgebäuden aus der Viktorianischen Epoche samt dazugehörigem Park. Hier wurden auch erste Erfahrungen mit afrikanischen Straßenhändlern gesammelt. Auf dem zentralen Church Square genossen wir die Sonne und die Jüngeren lernten den "Professor" samt passender "Moves" kennen.
Der 16. Juni ist in Südafrika ein Feiertag, Youth Day, im Gedenken an den Jugendaufstand in Soweto 1976. Dementsprechend leer wirkte die gepflegte Stadt. Im Zentrum waren auch auf den großen Plätzen ausschließlich Schwarze unterwegs. Wir passierten einige Statuen und Häuser im Kolonialstil, die an Personen aus der Geschichte Südafrikas erinnern. Schließlich ging es vor die Tore Pretorias zum Voortrekker-Denkmal, einem wuchtigen Turm auf einem Hügel, von dessen Spitze aus man einen hervorragenden Blick das Umland hat. Das Denkmal ist dem Treck der Buren vom Kap ins Innere des Landes gewidmet, der den Grundstein legte für die späteren Burenrepubliken der Afrikaaner und damit auch für das heutige Südafrika. Die Architektur erinnerte stark an die wuchtigen Bauten des Deutschen Kaiserreichs: das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig hatte dem Architekten als direktes Vorbild gedient. Die tolle Akustik im Inneren nutzten wir für ein kleines Ständchen: "Guten Abend, gut Nacht" von Brahms.
Die herzliche Offenheit und Gastfreundschaft unserer "Host families" sorgte dafür, dass der Abend bei vielen in Erinnerung bleiben wird. Unsere Familie besuchte mit uns beispielsweise noch eine Lodge mit Löwen und Leoparden, weil sie gehört hatte, dass sich der "König der Savanne" im Krüger-Park rar gemacht hatte. Während sich die Jüngeren gegenseitig zu "Homeparties" trafen, gingen die Älteren mit ihren Familien in ein traditionelles Burenrestaurant, wo es - natürlich - Fleisch gab und anregende Unterhaltungen geführt wurden.
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Freitag, 17. Juni 2011 
Nach Abschiednahme von unseren Gastfamilien ging es von dem kalten Pretoria los, Richtung Soweto. Zuerst hielten wir vor einer riesigen Kirche. Dort erfuhren wir viel über den Aufstand der Jugendlichen am 16.Juni.1976. Die Folgen sind in der Kirche bis heute sichtbar in Form von Einschusslöchern oder abgebrochenen Geländern... Wir schauten uns die Bilderausstellung auf der Empore über die Geschichte Südafrikas vom Apartheidregime über den 16.Juni (Aufstand 1976 und nationaler Feiertag in Südafrika) bis zur ersten freien Wahl mit Mandela an. Außerdem sangen wir Elijah Rock, was die Akustik der Kirche mit ihrer sehr langen Nachhallzeit zu etwas Besonderem machte. Es ging weiter und als nächstes hielten wir vor dem (aus Fernsehen bekannten) Stadion von Johannesburg, einem schönen farbigen Flickenteppich in einer eher öden Landschaft, abgesehen von dem Cola-Turm daneben. Nach der kurzen Pause mit Entspannen oder Hacky-Sack spielen, fuhren wir nach Soweto zum traditionellen Mittagessen. Die Wahl lag zwischen der bereits bekannten Buren-Wurst und Lamminnereien, jeweils mit Pap. Auch wenn die Wurst auf unserer Reise oft genug gegessen wurde, war diese Entscheidung dafür nicht unbedingt die Schlechteste. Zumindest ließ das der Geruch der Lamminnereien vermuten. Zum Glück schmeckten diese besser als erwartet auch wenn das nicht viel heißt; letztlich ist alles Geschmackssache. Nach dem Mittagessen ging es Richtung Johannesburg, wo wir am "Museum Afrika" anhielten. Leider hatten wir insgesamt nur eine halbe Stunde für das eigentlich geschlossene Museum. Man konnte auf interessante Weise viel über allgemeine Themen wie Astronomie oder Geologie lernen. Noch interessanter aber war der Teil über die afrikanische Kultur, Kleidung, Schmuck über nachgebauten Hütten und die Verhältnisse in den Slums bis hin zu einer großen Sammlung politisch-kritischer Karikaturen… Zu früh ging es weiter durch Jo'Burg bis zu unserer nächsten Übernachtungsstätte "close to the airport", dem "Altelekker Youth Camp". Die Anlage insgesamt war sehr schön mit netten Wegen, viel Natur und kleinen Häuschen, was auch zur ersten Überraschung führte, der äußerst effektiven Raumnutzung in den Häuschen! Wer hätte gedacht das 12 oder 24 Betten in so einem Zimmer Platz haben? Nachdem alle sich damit angefreundet / abgefunden hatten, wurde der Spielplatz für Große, sowie das Volleyballfeld erkundet und bis zum Abendessen wurden darauf noch ein paar Runden gespielt. Es wurde wieder kühler und als zum Abendessen gerufen wurde, kam die zweite Überraschung: Eine simple räumliche Aufteilung in Erwachsene und Jugendliche, mit dem Unterschied, dass für die Erwachsenen schönes Geschirr gedeckt war und sich die Jugendlichen mit Plastikteller und "Einmal-" Besteck begnügen mussten. Wenigstens das Essen war gleich. Fast zumindest, denn der Kuchen für die Erwachsenen wurde an die Jugend gespendet. Zu guter Letzt wurden noch die Teller und das sogenannte Einmalbesteck abgespült und für die Wiederverwendung einsortiert. Nach einer kurzen Probe setzten sich alle ans Lagerfeuer (mit großen Baumscheiben). Das wurde, nachdem die eigene, kreative Anzündtechnik scheiterte, afrikanisch angezündet - mit Benzin. Danach hatten alle (mit mehr oder weniger Alkohol) einen mehr oder weniger warmen und langen, wunderschönen Abend.
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Samstag, 18. Juni 2011 
Halbzeit! Vor genau einer Woche hat unsere Reise voller Erwartungen, Freude und auch ein wenig Aufregung begonnen. Es ist unglaublich, was wir alles schon gesehen haben und es sollte damit nicht aufhören.
Nach einer Nacht im "Ferienlager" ging es in unserem Reisebus, der sich inzwischen als unser zweites Zuhause erwies, zum Flughafen von Johannesburg. Dort sollte unsere zweite Hälfte dieser einzigartigen Reise starten. Nach ca. 2 Stunden Flug erreichten wir unser Ziel - George. Während unseres Aufenthaltes in Pretoria wurde bereits sehr von George und Kapstadt geschwärmt.
Unser erstes Abenteuer sollte ein Konzert in einer Kirche mit dem South Cape Children's Choir sein. Direkt nach unserer Ankunft am Flughafen ging es mit unserem Bus zur Kirche zum Soundcheck und Proben.
An der Kirche angekommen wurden wir herzlich von dem Dirigenten des Kinderchors, dem Pfarrer und einigen Mitgliedern der Gemeinde begrüßt. Nach der Probe gab es eine Suppe, Rooibos-Tee, Kaffee und Süßes zur Stärkung.
Nach dem wir gesättigt waren, richteten wir uns für den Abend. Auf den Gängen trafen wir bereits die ersten Mitglieder des Chores, die uns in ihren wunderschönen türkis blauen Gewändern freundlich begrüßten. Das Konzert war ein voller Erfolg. Abwechselnd traten beide Chöre auf. Nach einer spontanen Programmänderung bezüglich der Lieder sangen beide Chöre gemeinsam das Lied "For the beauty of the earth" welches sehr passend und wunderschön klang durch die Vereinigung beider Chöre. Am Ende des Konzerts wurden einige um ihr Gepäck erleichtert. Die mitgebrachten Schokoladentafeln, wurden an die Kinder verschenkt, welche sich sehr darüber freuten, da Schokolade in Südafrika um einiges teurer als bei uns ist. Nach dem Konzert wurden wir wieder in Zweiergrüppchen in Gastfamilien eingeteilt. Erschöpft, aber glücklich kehrten wir bei den Familien ein, die uns herzlich empfingen und uns hervorragend versorgten.
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Sonntag, 19. Juni 2011 
Heute haben wir uns schon um 8 Uhr an der holländisch-reformierten Kirche in George getroffen, um im Gottesdienst aufzutreten. Im Vergleich zum gestrigen Tag war es aber so kalt, dass wir alle zitternd in der Kirche saßen und der halbstündigen Predigt auf Afrikaans folgten; mit mehr oder weniger Erfolg. Unsere Stücke klappten trotz der Kälte gut, und so freute sich jeder über den anschließenden Tee im Gemeindesaal nebenan.
Danach ging es auf nach Mossel Bay, wo wir das Bartolomeu Dias Museum besichtigten, in dem ein Nachbau des Schiffes des portugiesischen Seefahrers ausgestellt ist, welcher als erster Europäer 1487/88 die Südspitze Afrikas umsegelte. Außerdem gab es noch eine Reihe alter Landkarten, auf denen man die Entdeckung der Welt deutlich mit verfolgen konnte. Die Kontinente wurden von der Form her immer genauer abgebildet und plötzlich fand sich auch Amerika auf einer Karte. :-)
Anschließend gab es noch einen kleinen Klippenspaziergang, als Ausgleich für unser eigentlich geplantes, wegen Regen und starkem Wind aber abgeblasenes Schwimmen im Indischen Ozean. Wegen des Winds kamen die Seehunde in die Bucht und mit ihnen die Haie, einen Begegnung mit Letzteren musste nicht sein, deshalb freuten wir uns über die Anwesenheit der munteren Klippschliefer.
Am frühen Abend kamen wir wieder in George bei unseren Gastfamilien an, mit denen wir noch einen schönen Abend verbrachten.
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Montag, 20. Juni 2011 
Abfahrt um 7 Uhr in George. Nach einer Weile Busfahrt sind wir um ca. 10 Uhr an der "Ostrich Farm" angekommen. Dort hatten wir einen angenehmen Empfang mit Kaffee und Tee, danach eine sehr interessante deutschsprachige Führung über das Hauptgelände der Farm wobei einige von uns von Straußen umarmt, geküsst und massiert wurden. Das Highlight der Führung war dann das Straußenreiten. Dort haben sich 8 todesmutige Chormitglieder getraut, tatsächlich auf einem Straußenrücken über den Platz zu flitzen. Anschließend gab es ein leckeres Mittagessen mit Livemusik. Dann hatten wir etwas kostbare Freizeit, um uns im dortigen Souvenirshop umzusehen. Leider ging es jetzt schon zurück in den Bus und weiter zu den Cango Caves, wo wir ebenfalls eine deutschsprachige Führung bekommen haben. Der Höhepunkt war das Minikonzert in der "Kathedrale" der Höhlen. Müde und erschöpft trafen wir gegen 16:30 Uhr in unserem Nachtquartier in Outshoorn an. Dieses African Sky Hotel hat alle unsere Erwartungen übertroffen. Riesengroße Zimmer mit ebenso großen Betten, einen Swimmingpool und vieles mehr. Nach einem leckeren Abendessen im Hotelrestaurant, wurde vereinzelt auf den Zimmern noch das schöne Hotel bis tief in die Nacht gefeiert. Danach hatten hoffentlich alle eine geruhsame Nacht.
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Dienstag, 21. Juni 2011 
Das Frühstück in unserem Hotel in Oudtshoorn war sensationell, sodass manch einer/eine sehr gut gesättigt den Bus für die vielen Reisekilometer bestieg. Es dürften heute ca. 380 km gewesen sein. Anfangs fuhren wir einen anderen Pass als gestern zurück an die Südküste nach Mossel Bay. Faszinierend, wie schnell sich die Vegetation, je nach klimatischen Verhältnissen, ändert. Waren es auf der Nordseite der Berge noch die buschig-strauchigen Hänge, in denen sich die Strauße wohl fühlten, so sahen wir jenseits der Berge wieder die fruchtbaren Felder und Viehweiden. Tagsüber gab es dann Landschaft pur, zum Fotografieren schwierig - man musste die Landschaft einfach auf sich wirken lassen, sie mit den Augen aufsaugen. Unsere Hauptrichtung war heute von Ost nach West entlang der "national route 7".
Bei einem Zwischenstopp an einer Aloe-Farm konnte man sich über Aloe-Produkte informieren und diese erwerben und es gab die Möglichkeit, sich die Füße zu vertreten, hacky-sack zu spielen, Postkarten zu schreiben oder einfach nur einen weiteren Cappuchino zu trinken.
Der Zeitplan erlaubte es Maralie, uns in Hermanus längeren Aufenthalt zu gewähren. Dieses Städtchen ist zwar nicht der südlichste Punkt Südafrikas (Cape Agulhas, von uns links liegen gelassen), gilt aber als "Whalewhatcher-Mekka" und bietet einen herrlichen Blick über die Walker Bay. Informationstafeln zu möglicherweise auftauchenden Walen waren aufgestellt - jedoch die Wale fehlten. Manche Chormitglieder konnten eine größere Gruppe (Rudel/Schwarm) von Delphinen vorbeizeihen sehen. Auch ein Schwarm weißer Pelikane und die nun schon gewöhnlich gewordenen, Müll fressenden Schliefer waren zu beobachten.
Die Weiterfahrt (nur noch ca. 50 km) verlief sehr zäh, denn es kam sehr rasch ein totaler Stillstand. Busfahrer Johann machte sich zu Fuß auf den Weg und holte Erkundungen ein. Die Auflösung kam nach längerer Wartezeit: Ein LKW war auf der Passstraße umgekippt.
Wir kamen erst im Dunkeln in Stellenbosch an - und das war vielleicht auch gut so, denn sonst wäre der bezüglich der Unterkunft erfahrene Abstieg noch krasser ausgefallen. Der Morgen begann im Luxus, der Tag endete in einer Rucksackreisen-Absteige. Aber das Abendessen war gut (Reis, Kürbisgemüse, Blätterteig-Fleisch-Gemüse-Pastete, Salat, Saft und Wasser)! Dank der spontanen Bereitschaft einiger, gegen zusätzliches Entgelt ein nahegelegenes Gästehaus zu bewohnen, entspannte sich die Zimmeraufteilung in unserem Quartier etwas. Rührend war die Probe im Speisesaal, eng beieinander auf Tischen Stühlen und Bänken. Ärgerlich für den Busfahrers: der Bus verlor eine Menge Öl, die Ölwanne hatte ein Leck.
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Mittwoch, 22. Juni 2011 
Unser Bus (Scania, amtl. Kennz.: ZBZ661 GP) ist defekt. Endet jetzt die Chorreise im Desaster? Weil die Ölwanne aufgerissen ist und leckt, kommt jetzt Johann zum Zug. In aller Ruhe behält Herr Kasselmann den Überblick und kontrolliert die Arbeiten der unter dem Bus liegenden Monteure. Zur klammheimlichen Freude vieler muss Maralie mehrmals den Aufbruchtermin - wie immer "sharp" kalkuliert - nach hinten verschieben. Endlich Zeit, auch die unmittelbare Umgebung etwas näher kennenzulernen. Punkt halb elf aber (nach mehreren Espressi im nahe liegenden Eck-Café) geht unser Abenteuer weiter.

Im "Two Oceans Aquarium" in Cape Town lernen wir die schaurig-schöne Unterwasserwelt rund um den südlichen Zipfel der südlichen Welthalbkugel kennen. Dazu gehört auch eine Pinguinfütterung und Haie gibt's hinter ein paar Zentimeter Glas zum Beißen nah.
Nur wenige Meter davon entfernt entdecken wir Robben im Hafenbecken. Für die vier Südafrikaner, die bisher mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden sind, Albert Lethuli, Präsident des Afrikanischen Nationalkongresses ANC (1960), Erzbischof Desmond Tutu (1984), Präsident Frederick Willem de Klerk und Nelson Mandela (1993) kein Grund sich umzudrehen. Ihre Statuen sind bei vielen Touristen das Fotomotiv der "Waterfront" von Kapstadt. Dazu gehören auch die roten Coca-Cola-Kisten, die in einer Hafenecke zu einem übergroßen Menschen gestapelt wurden.

Südafrika, das ist nicht nur Natur und Geschichte. Gerlinger und besonders Gerlingerinnen machen jetzt eine Shopping-Mall unsicher. Vor den Toren von "Mugg and Bean - Giving You more and more", dem Platzhirsch der südafrikanischen Einkaufswelt, wartet dann schon wieder unser Tourbus.

Beim Abendkonzert im "Deutschen Club" in Kapstadt tritt der "Cantabile"-Chor zusammen mit dem "South African Youth Choir" auf. Deren Auftritt wird schon durch das Lauschen hinter der geschlossenen Saaltür großer Respekt gezollt. Mit unserer Version der "Schwäbischen Eisenbahn" werden bei vielen Konzertbesuchern mit deutschen Wurzeln Erinnerungen wach - Chorgesang und seine Wirkung über 9.500 Kilometer.
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Donnerstag, 23. Juni 2011 
Heute war wieder einmal ein ereignisreicher Tag hier in Südafrika.
Es gab gegen 8 Uhr Frühstück hier im Stellenbosch Traveller's Lodge mit Rührei, Käse, Bratwurst, Toast, leckeren Früchten, Saft und Müsli. Um 9 Uhr mussten wir dann schon fertig sein zur Abfahrt mit dem Bus zur Weinprobe in "Neethling's Hof" in der Nähe von Stellenbosch. Dort angelangt, wurden wir kurz begrüßt und herumgeführt, danach ging es gleich ans Probieren verschiedener Wein- und Käsesorten. Alle unter 18-jährigen mussten sich mit Saft begnügen und auch Erwachsene, die so früh am Morgen noch keine Lust auf Wein hatten, tranken lieber von dem Saft. Bevor es weiterging, hatten wir noch ein bisschen Zeit dort Wein, Käse und andere Lebensmittel zu kaufen. Leider war das Wetter in der Region noch zu schlecht, um auf den Tafelberg zu gehen. Trotzdem ließ sich unsere Reiseführerin Maralie spontan etwas anderes für uns einfallen und wir fuhren kurzerhand zu einer Löwenfarm in der Nähe. Also bekamen wir endlich unsere Löwen zu sehen, nachdem uns im Kruger Nationalpark leider nie einer über den Weg lief. Es ist zwar etwas anderes, die Löwen hinter einem Zaun zu sehen, als in freier Wildbahn, aber wenigstens haben wir sie überhaupt gesehen! Wir waren für ca. 1 Stunde dort, dann ging es auch schon weiter zu einem kleinen Ort am Meer, wo wir eigentlich 2 Stunden Zeit haben sollten um Mittag zu essen und uns am Strand zu entspannen. Doch wegen der Kälte wollte keiner lange im Freien bleiben und Maralie ließ sich überreden, mit uns in eine Shopping Mall in der Nähe zu fahren. Sie gab uns 1 Stunde Zeit um zu essen und ein wenig einzukaufen, denn nun waren wir unter Zeitdruck. Wir mussten ja um 17:30 Uhr schon in dem kleinen Ort Grabouw sein um uns dort für das Konzert um 19 Uhr einzusingen und umzuziehen.
Da das Konzert mit den Schulchören unser letztes sein sollte, gaben wir noch mal unser bestes. Wir wurden sehr herzlich vom Publikum empfangen und es gab schon tosenden Applaus, als wir nur auf die Bühne liefen. Meiner Meinung nach war es das beste Konzert überhaupt!
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Freitag, 24. Juni 2011 
Der letzte Tag in Südafrika kam viel zu schnell, doch die zweiwöchige Reise ging mit einem sehr schönen Tag zu Ende. Das Frühstück am Freitagmorgen war etwas gewöhnungsbedürftig. Es gab Fischstäbchen, aber auch Toast und Müsli. Gegen 9 Uhr sind wir dann zu unserer Kapstadt-Tour aufgebrochen. Unser erstes Ziel war Boulders Beach, wo man Pinguine beobachten konnte. Wir hatten Zeit die "kleinen dicken Männer in Anzügen" zu fotografieren und uns danach noch bei den Souvenirständen umzusehen. Später ging es weiter zum Kap der guten Hoffnung, dem südwestlichsten Punkt Afrikas. Dort angekommen mussten wir erst mal die atemberaubende Gegend bestaunen. Da wir selber entscheiden konnten, was wir tun wollten, sind viele zuerst zum Leuchtturm hochgegangen. Von dort aus konnte man gut die Aussicht genießen und den atlantischen Ozean auf der stürmischen, offenen Seite und der ruhigeren Buchtseite beobachten. Dann konnte man den Weg zu unserem Treffpunkt am Cape Point herunterlaufen. Ein paar aus der Gruppe haben einen kurzen Abstecher zum Strand eingeschlagen. Unten am Treffpunkt angekommen, haben wir gleich einmal ein Gruppenfoto gemacht, bevor es dann zum Mittagessen nach Hout Bay weiterging. Das Mittagessen bestand dann (für alle Nicht-Vegetarier) nochmal aus Fisch, es gab nämlich für alle Fish'n'Chips. Bevor es dann wieder ganz zurück zur Unterkunft ging, sind wir noch mit dem Bus durch Kapstadt gefahren und uns wurden die wichtigsten Sehenswürdigkeiten gezeigt. Außerdem haben wir an einem kleinen Rastplatz angehalten, von dem aus man eine gute Sicht auf Kapstadt und den Tafelberg hatte, um dort ein paar Fotos zu machen. Zurück im Stellenbosch Traveller's Lodge gab es erst mal Abendessen und später sind wir dann in ein Restaurant gefahren, wo wir unseren letzten Abend gemeinsam verbrachten, als eine Art "All-Star-Evening", der mit kleinen Programmeinlagen von Freiwilligen und einem Quiz von Felix und Ricardo gestaltet wurde. Um Mitternacht feierten wir dann alle in den Geburtstag von Fabian B. hinein, der 18 wurde. Somit ging der Freitag ohne Unterbrechung in den Samstag über…
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Samstag, 25. Juni 2011 
...wieder angekommen in der Jugendherberge, wurde in einigen Zimmern noch weitergefeiert oder verzweifelt versucht, das Gewicht des Koffers durch Umräumen ins Handgepäck zu verringern. Nach dem Frühstück haben wir uns dicht gedrängt im Gemeinschaftsraum mit einem herzhaft geschmetterten "Gabi, Gabi" von den Herbergsleuten verabschiedet. Am Flughafen in Kapstadt wurde mit großem Applaus unserem Busfahrer Johann gedankt, der uns immer geduldig und sicher chauffiert hat. Nach dem Mittagessen sind wir nach Johannesburg geflogen und haben mit Entsetzen erfahren, warum nicht gleich für alle Tickets direkt bis Frankfurt ausgestellt worden sind: der Flug war überbucht! Letztlich durften alle wieder mit der A380 heim fliegen, nachdem ein anderer Passagier gegen eine großzügige Prämie auf den Flug verzichtet hatte.
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Sonntag, 26. Juni 2011 
Einige Koffer haben es leider nicht ganz bis Frankfurt geschafft...
Am Bahnhof in Stuttgart wurden wir schon von unseren Freunden und Familien erwartet und freudig begrüßt. - Wir sind alle sehr glücklich, dass wir gemeinsam ein so eindrucksvolles Erlebnis in einem faszinierenden Land hatten!






Die Planungs-, Vorbereitungs- und damit auch die Gründungsphase des Kammerchors Cantabile Gerlingen für das Südafrikaprojekt begann ein halbes Jahr vor der Abreise. Berichte aus der Vorbereitungszeit finden sie hier:



1. Reguläre Montagsproben & Probenwochenenden

 
Montag, 18:55 Uhr: Schon von Weitem ist Klaviermusik aus dem Proberaum zu hören.
Nach und nach trudeln alle Sänger/-innen ein, 50 an der Zahl. Es ist 19:00 Uhr - die Probe kann beginnen. Den Nachzüglern wird von unserem Chorleiter Axel Jüdt ein vielsagender Blick zugeworfen und sie wissen, dass sie das nächste Mal lieber nicht mehr zu spät kommen sollten. Damit wir für die nächsten 1 ½ Stunden zu stimmlichen Höchstleistungen bereit sind, ist Stimmbildnerin Babette Dietrich zur Stelle. Ein fröhliches "Kiwi-kiwi-kiwi" bringt alle in Stimmung :).
Dank einer engagierten Chorleitung, der Vorfreude auf Südafrika und vielen guten Stimmen ist unser Repertoire bereits nach wenigen Proben auf beachtliche 14 Stücke angewachsen. Bei "Elijah Rock" und "Auf de schwäb‘sche Eisebahne" gehen alle begeistert mit und konnten deshalb gut verkraften, dass "Cupido Blind - das Venuskind" aus dem umfangreichen Programm gestrichen wurde. Neben dem Singen spielt die Organisation in Sachen Versicherung, Kleidung etc. eine große Rolle, die von vielen Freiwilligen übernommen wird. Daher ist der Kammerchor Cantabile Gerlingen mittlerweile zu einer Gemeinschaft geworden, die sich darauf freut viele schöne Momente in Südafrika erleben und teilen zu können.

Zusätzlich zu den Montagsproben haben wir uns bereits zweimal am Wochenende zu Proben getroffen. Auch wenn wir unser gemütliches Bett an den Samstagen schon um 9:00 Uhr verlassen mussten, konnten wir am Ende auf eine gelungene Probe zurückblicken.
Hierbei geht noch ein Dankeschön an die fleißigen Kuchenbäcker/-innen, die uns unsere Proben versüßten.

Lena Janietz & Melanie Weber

2. Verlängerte Probe in Warmbronn & Gottesdienst in Renningen 
ORTSWECHSEL.

Das war das Stichwort für den Kammerchor Cantabile Gerlingen am 13. & 14. Mai.

Es ging mit Allen auf ins evangelische Gemeindehaus nach Warmbronn um in gewohnt konzentrierter Atmosphäre in neuen Räumen gediegene Klänge zu erzeugen. Nicht nur, dass man sich erst jetzt so richtig der beträchtlichen Fülle des gesamten Repertoires bewusst werden konnte, erhob diese Probe den Chor in eine neue Sphäre der Chormusik.

Das kurzfristige Ziel des Ganzen war ein Konzert am Samstagabend in der kath. St. Bonifatius-Kirche in Renningen, welches von den Vorabendmesse-Besuchern mit Freuden aufgenommen wurde. Die Begeisterung und der Spaß an der Musik beider Seiten waren riesig. Langfristig hat diese "verlängerte Probe" dem Chor neue kreative Ideen und Verbesserungen für das Konzert am 29.05. und die gesamte Reise gebracht. Sie war also ein voller Erfolg.

Florian Reuss
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3. Chorkonzert in der Jahnhalle Gerlingen 
Große Ereignisse warfen am Sonntag ihre Schatten voraus: Der neu gegründete Kammerchor Cantabile Gerlingen stellte dem Gerlinger Publikum sein Reiseprogramm vor, das er für die in wenigen Tagen bevorstehende Südafrikareise einstudiert hat.
Der Chorleiter Axel Jüdt folgt gemeinsam mit seinem Chor der Einladung eines Jugendchors aus der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria, der im letzten Jahr in Deutschland zu Gast war. Für diese Reise gründete der Dirigent kurzerhand einen neuen Chor, der sich zu gleichen Teilen aus Mitgliedern des Eltern-Lehrer-Chors am RBG und Schülern der Oberstufe zusammensetzt. Bei der Zusammensetzung haben sich die besonders singbegeisterten Choristen zusammengefunden, die in wochenlanger mühevoller Probezeit eine besondere Leistung erbracht haben. Nicht nur auf musikalischer Ebene, sondern auch auf der zwischenmenschlichen sind hier enge Beziehungen und Verbindungen entstanden, die mit Sicherheit durch die zweiwöchige Konzertreise in ein so fernes Land noch enger geknüpft werden. Wir können also gespannt sein auf die zukünftigen musikalischen Darbietungen dieses Ensembles.
Von diesen konnten wir Zuhörer uns bereits am Sonntag überzeugen. Der Chor präsentierte dem interessierten Publikum in der Gerlinger Jahnhalle sein abwechslungsreiches Konzertprogramm.
Von den musikalisch anspruchsvollen deutschen Romantikern (Bruch, Brahms und Mendelssohn-Bartholdy) über geistliche Musik in Spiritual-Manier gab es schließlich auch noch ein urtypisches schwäbisches "Schmankerl" - die schwäb'sche Eisenbahn darf auch mit nach Südafrika, allerdings in einer neuen Version, die mit dem traditionellen Volkslied nicht mehr so viel gemein hat. Bei diesem Chorsatz hat man als Zuhörer das Gefühl, mitten in der zischenden und dampfenden Eisenbahn mitzufahren.
Axel Jüdt hat an alle Genres gedacht. So kann der Chor mit diesem Repertoire zum einen seine Kunstfertigkeit hinsichtlich der klassischen deutschen Chormusik aus der Romantik beweisen (so zum Beispiel bei Mendelssohn-Bartholdys "Hör mein Bitten". Hier waren die Choristen gut auf den klaren Sopran der Solistin Jennifer Kosta aus dem Neigungskurs eingestimmt.).
Die Stimmbildnerin Babette Dieterich präsentierte einfühlsam die selten zu hörenden Stücke von Brahms für Mezzosopran und Klavier "Sapphische Ode" und "Von ewiger Liebe".
Zum anderen zeigte der Chor aber auch sein Talent in der Interpretation von Gospels: den ersten Teil des Konzerts schloss der Chor mit einem mitreißenden "My soul's been achored in the Lord" ab: Dieser Spiritual riss das gesamte Publikum im Saal mit.
In den anschließend von Fabian Müller dargebotenen Stücken für Trompete mit Klavierbegleitung durch Lisa Käde zeigte der junge Trompeter aus dem Musikneigungskurs sein Talent. Der Walzer nach einem Lied von Fritz Kreisler schließlich war der letzte deutsche Part, ehe das Publikum im Anschluss daran gemeinsam mit dem Kinderchor des Robert-Bosch-Gymnasiums in den afrikanischen Kontinent eintauchen durfte. Die Rhythmen und Melodien zogen die Zuhörer in die afrikanische Welt mit hinein.
Ehe der Kammerchor abschließend mit seinem zweiten Teil auftrat, beeindruckte Felix Laicher aus dem Musikneigungskurs das Publikum mit seinen unglaublichen Talenten als Pianist, aber auch als Komponist. Seine Eigenkomposition für Klavier mit dem Titel "Another World" war emotional so stark aufgeladen, dass die gesamte Jahnhalle in Begeisterungsstürme ausbrach.
Der zweite Teil des Kammerchors begann gleich mit einem typischen Spiritual, "Elijah Rock" von Moses Hogan; mit der schwierigen Rhythmik in diesem Stück zeigte der Chor, dass er gut aufeinander eingestimmt ist. Ergreifend auch im Anschluss das bekannte "Hallelujah" von Leonard Cohen. Auch ein südafrikanisches Volkslied durfte nicht fehlen. Mit "Gabi, Gabi", einem traditionellen Lied der Zulu wurde das Publikum auf die Südafrikareise eingestimmt. Nach dem schwäbischen Gegenpart ("Auf der schwäb'schen Einsenbahne") schloss der Chor sein abwechslungsreiches Programm nochmals mit dem romantischen "Abendlied" von Josef Rheinberger.
Der Kammerchor Cantabile Gerlingen hat am Sonntag gezeigt, dass er im Reisegepäck einige "Goldstücke" mit sich führt und somit die Reise nach Südafrika getrost antreten kann. Wir wünschen eine schöne Fahrt mit interessanten Begegnungen und unvergesslichen Erlebnissen und sind schon gespannt darauf, mit welchen Stücken er zurückkehren wird!

Eva Rademaker
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